
Kann nach Petra noch eine Steigerung eintreten?
Ja es kann und die Antwort lautet: Wadi Rum.
So, 24.10.04, 105km, 1050m: Wieder etwas früher aufgestanden – ihr habt es erraten, die Kanadier sind Frühaufsteher – und uns auf den Weg gemacht: Es dauerte eine Weile bis wir wieder aus dem Wadi Musa (das Tal in dem das Dorf Wadi Musa liegt) herausgefahren waren. Die Strasse stieg langsam, entlang der Westflanke, hinauf zum Hochplateau, mit wunderbarer Aussicht auf eine abwechslungsreiche Felslandschaft.

Das letzte Stück des King’s Highway war besonders malerisch, mit weiten Kurven über welliges Gelände, anstrengend, aber so wie man es sich vorstellt!

Verkehr hatte es kaum, abgesehen von ein paar sehr altmodischen Transportmitteln.

Kurz darauf war der King’s Highway zu Ende und damit auch die Ruhe: Er mündet in den stark befahrenen (aber mehrspurigen) Desert Highway, auf dem wir dann in eine weite Ebene hinuntersausten.

Eine willkommene Erholungspause nach dem ewigen Aufwärtsfahren.
Langsam aber sicher wurden auch die Felsformationen wieder interessanter und aussergewöhnlicher:

Man merkte, wir nähern uns dem Wadi Rum!
Endlich kam auch der Abzweiger zum Wadi Rum, mit viel weniger Verkehr und enstprechend mehr Entspannung. Viel fehlte zwar nicht mehr bis ganz ins Wadi Rum, wir entschieden uns aber trotzdem, in einem Camp im Wadi al Hiswa zu übernachten.

Dort kochten wir wieder einmal selber und schliefen draussen, unter einem Beduinen-Zeltdach.
Mo, 25.10.04, 15km, 200m: Die kurze Strecke zum brandneuen Wadi Rum Visitors Center (seit einem Monat eröffnet) war schnell zurückgelegt. Dort musste zunächst das Ticket für das Reservat bezahlt und auch die Jeep-Touren mussten hier arrangiert werden (siehe nächster Tag).

(Gleich neben dem Visitors Center: The Seven Pillars of Wisdom)
Danach radelten wir die letzten 6km befestigte Strasse ins Wadi Rum Village, wo wir uns im Resthouse, wieder unter einem Zeltdach, häuslich einrichteten.
Viel hatten wir ja noch nicht gemacht heute, und so bestiegen wir (kihp) am späteren Nachmittag die Felsen gleich hinter unserem Camp, von wo sich ein guter Überblick über das Dorf und die nähere Umgebung bot.

(Blick auf das Camp (Resthouse) und auf die Grundmauern eines alten nabatäischen Tempels)

(Blick auf Rum Village und auf den Jebel Umm E’jil)
Mehr oder weniger entlang des Felsgrates (der zum Jebel Mayeen führt) kletterten wir aufwärts und es boten sich immer wieder neue Ausblicke.

(Blick nach Norden, das Wadi Rum hinunter, und hinüber zum Jebel Umm E’jil)
Mit zunehmender Höhe wurde der Weg etwas komplizierter (aber er war gut beschrieben in unserem Kletterführer) und führte u.a. unter Überhängen hindurch und an allen möglichen Formen von (ausgewaschenen) Strukturen vorbei.

Es wurde langsam aber sicher Abend und wir mussten an den Abstieg denken. Wir kletterten in einem steilen Couloir hinunter in ein Seitental des Wadi Rum, wobei man sich links halten musste, wenn man nicht die (recht grossen!) Überhänge am Talgrund hinunterspringen wollte.
Unten stiessen wir dann überraschenderweise auf Wasser:

Dieses trat entlang einer horizontalen Felsspalte (Gesteinschichtenwechsel) in etwa 4m Höhe aus der Felswand. Zwar nur in sehr kleinen Mengen, die aber trotzdem für einen intensiven lokalen Pflanzenwuchs ausreichten.

Dann wurde es aber Zeit (d.h. Dunkel) um ins Camp zurückzukehren.
Di, 26.10.04: Heute war Jeep-Safari angesagt. Um 8:00h stiegen wir (inkl. Lunch, Wasser, Kanadier) in unseren Jeep und los ging die rumpelige Fahrt. Erste Station waren die “Lawrence Springs”, eine Quelle (etwas kleiner als diejenige, die wir gestern besucht hatten) mit nabatäischen Inskriptionen an den umliegenden Felsblöcken.
Nebenbei: Mehr Informationen zu T.E. Lawrence.

Danach durchquerten wir ein offenes Stück Wüste Richtung Süden zum Jebel Khazali, wo wir einen engen Siq (Schlucht) mit Beduinen-Felsgravuren besichtigten.

Wir fuhren dann zum Jebel Qaber Amra an einer kleinen Felsbrücke vorbei, weiter zum Jebel Umm Fruth, zur zweiten Felsbrücke, die wir mit etwas Klettern bestiegen.

Wie schon in Petra ist auch der Sandstein im Wadi Rum sehr unterschiedlich gefärbt – und somit auch der Sand der Wüste. Es dominieren Gelb- und Braun-Töne, aber immer wieder tauchen auch rote und weisse Gebiete auf.

Wir verliessen die Umm Fruth Rock Bridge Richtung Osten, wo die grösste der Felsbrücken steht (Burdah Rock Bridge), allerdings ist diese nur in einem 2- bis 3-stündigen Fuss/Kletter-Marsch erreichbar. Nicht alle von uns fühlten immense Energievorräte in sich, deshalb zogen wir es vor, am Fusse des Jebel Burdah ausgiebig Tee zu trinken (der von unserem Fahrer zubereitet wurde, in echter Beduinen-Art auf stinkendem Kamel-Dung (oder war es doch Holz?) geheizt und extrem süss).
Danach fuhren wir zum Lawrence’s House, wo (nach dem Lunch) die Energien doch noch durchbrachen und wir etwas in den Felsen rumkraxelten.

(Erstaunlich, was auch bergunerfahrene Kanadier zustande bringen.)
Weiter ging’s dann zu einer Felswand mit weiteren Beduinen-Steingravuren

und dann zu den Sanddünen, alle rot, steil, und eng an die Felsen angeschmiegt.

Der Abschluss eines langen Tages (vor allem für unseren Fahrer, der Dank Ramadan ja weder essen noch trinken durfte!) war dann der Sonnenuntergang,

wo wir neben diesem auch die ersten Regentropfen der Winterregenzeit spürten. Für uns waren dies die ersten Tropfen seit Monaten.
Mi, 27.10.04: Wir beschlossen, heute den Jebel Mayeen (1100m) zusammen mit den Kanadiern zu besteigen. Den ersten Teil des Weges hatten wir ja schon vorgestern gemacht (jedoch ohne ganz auf den Gipfel zu klettern), wir kannten also die untere Hälfte des Aufstiegs schon.

(Unterwegs… )
Mit einigen interessanten (problemlosen) Klettereien vor allem am Schluss erreichten wir den Gipfel, 1100m, waren aber immer noch weit unterhalb der höchsten Jebels im Wadi Rum.

Der Abstieg war dann, wie immer, etwas schwieriger, aber alle kamen heil unten an.

Auch heute zogen Wolken auf, die dann gegen Abend wieder verschwanden.

Wir genossen (wie schon gestern) das Salatbuffet plus Menu im Resthouse und verbrachten dann unsere letzte Nacht draussen in der Wüste.
P.S. Obwohl wir unterwegs Horror-Stories von wegen Geldabzockerei im Wadi Rum gehört hatten, waren die letzten 3 Tage lustigerweise die billigsten auf der ganzen Reise überhaupt!
P.P.S. Hier gehen wir nochmals hin, dann allerdings mit Kletterfinken und Seil, Gopferdammi!
Ein Kommentar:
greetings !
Matthew () (link) - 06 05 06 - 11:52